Lecture

Klang im dreidimensionalen Raum und Ambisonic

Veranstaltungen

Mo 08. November 1999, 20:00 bis 01:00, Zürich

In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Zentrum für Computermusik

Ein noch ungelöstes Problem der elektroakustischen Musik ist die Klangprojektion: Wie soll die Musik in Konzert gespielt werden? Da elektroakustische Werke in der Regel stereo komponiert werden, ist es üblich, sie im Konzert mit zwei Lautsprechern aufzuführen. Manchmal kommen zusätzliche Lautsprecher hinzu, die von hinten oder von der Seite das Stereo-Signal stützen. Doch spielt sich unser Alltag nicht stereo ab — wir sind ständig von Klang aus allen Richtungen umgeben. Die wirkliche Welt klingt immer viel klarer und schöner als ein Lautsprecher. Dieser Abend stellt eine Technik der Beschallung, aber auch der Komposition, vor, die Komponisten erlaubt, ihre Werke im dreidimensionalen Raum zu konzipieren und realisieren und dadurch ein Klangbild zu erzielen, das der Wirklichkeit näher kommt als die traditionelle Stereophonie. Tonbeispiele illustrieren unterschiedliche Techniken der Klangprojektion (Monophonie, Stereophonie, Quadrophonie, Surround, etc.) sowie Kompositionen, die von dreidimensionaler Klangprojektion Gebrauch machen.

Seit Oktober 1998 arbeitet das Schweizerische Zentrum für Computermusik an einem Forschungsprojekt der Musikhochschule Winterthur Zürich, das die drei-dimensionale Klangprojektion zum Thema hat. Die Technik, die hier verwendet wird, heisst „Ambisonic„. Ambisonic ist seit den früheren 70er Jahren als Aufnahmetechnik bekannt, die eine besonders wirklichkeitsnahe Darstellung räumlicher Verhältnisse erlaubt. Die Verwendung der Ambisonic-Technik zur Projektion von Klang im Konzertraum hingegen ist relativ neu. Elektroakustische Musik wird im allgemeinen im Studio komponiert und im Konzert vom Tonträger (Tonband oder Compact Disc) abgespielt. Das Ziel dieser Forschung ist die Realisierung einer Gruppe von Computerprogrammen, die einen Teil des Kompositionsvorganges bilden und Komponisten erlauben, Passagen und Phrasen ihrer Musik an einen bestimmten Ort im Konzertraum zu plazieren oder von einem Ort zu einem anderen zu bewegen.

Ambisonic gehört zu den sogenannten „Surround„-Techniken, die man vom Cinéma und vom „Heimkino„ her kennt. Es gibt allerdings einen grossen Unterschied zwischen den kommerziellen Techniken und Ambisonic. Die Surround-Techniken, die im Film benutzt werden, wollen dramatische Effekte vermitteln, wie einedas Vorbeirauschen eines Eisenbahnzuges, und arbeiten stark mit Veränderungen, um nicht zu sagen Verzerrungen, des jeweiligen Klangbildes. Bei Ambisonic hingegen ist man bestrebt, ein möglichst natürliches Klangbild zu erzeugen, wie wenn der Klang sich tatsächlich an einem bestimmten Ort im dreidimensionalen Raum befände.

Die Forschungsarbeit findet in zwei Teilen statt. Der erste Teil ist der einfachere und besteht im Übertragen der theoretischen Kenntnisse über Ambisonic in eine Klangsynthese-Sprache für Computer (Csound, eine Synthesesprache, die im Massachusetts Institute of Technology [MIT] von Barry Vercoe entwickelt wurde und seither in electroakustischen Studios in der ganzen Welt verwendet wird). Der zweite, schwierigere Teil der Forschung besteht im Entwickeln von Computer-Programmen, die Komponisten einen relativen einfachen und direkten Zugang zu dieser Technik ermöglichen. Wenn das Projekt abgeschlossen ist, werden diese Programme auf dem Web-Site des Schweizerischen Zentrums für Computermusik (http://www.computermusic.ch) interessierten Komponisten zur Verfügung stehen.

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Cod.Act gewannen im September den Grand Prix Schweizer Musik 2019. Mit ihren kynetischen Klangskulpturen und algorithmischen Kompositionen verwischen sie die Grenzen zwischen Medienkunst, Performance und Musik.

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