Ein modernes Zuhause ist voller kleiner Sender. Der Sprachassistent hält Kontakt zum WLAN, die Heizungssteuerung spricht Zigbee, das Türschloss funkt über Bluetooth, und irgendwo an der Wand hängt noch eine DECT-Basis fürs Telefon. Wer wissen will, wie stark diese Felder tatsächlich sind, kommt um zwei Fragen nicht herum: Welches Gerät sendet auf welcher Frequenz? Und was sagt eine Zahl auf dem Display eigentlich aus? Beide Fragen lassen sich technisch beantworten.
Welche Smart-Home-Geräte funken überhaupt?
Die meisten drahtlosen Standards im Haushalt teilen sich ein einziges Band: 2,4 Gigahertz. Chips dafür sind billig und weltweit zugelassen, deshalb tummeln sich dort WLAN, Bluetooth, Zigbee und Thread gleichzeitig. Andere Standards weichen bewusst aus, um Störungen zu vermeiden.
- WLAN – 2,4 GHz und 5 GHz, dauersendend am Router, mit vergleichsweise hoher Reichweite und Leistung.
- Bluetooth – 2,4 GHz, kurze Distanz, geringe Sendeleistung, oft nur schubweise aktiv.
- Zigbee und Thread – 2,4 GHz, aber auf lange Batterielaufzeit getrimmt und dadurch mit reduzierter Sendeleistung.
- Z-Wave – in Europa 868 MHz, tiefer angesiedelt, um dem überfüllten 2,4-GHz-Band zu entgehen.
- DECT – 1,89 GHz, das klassische Schnurlostelefon, dessen Basisstation häufig rund um die Uhr funkt.
Bei einer Bestandsaufnahme zählt das Sendeverhalten: Ein Gerät, das nur alle paar Minuten einen kurzen Statuswert schickt, belastet die Umgebung anders als ein Access Point, der pausenlos strahlt. Ohne diese Unterscheidung sagt eine Messung wenig aus.
Was bedeuten V/m und µW/m²?
Hochfrequente elektromagnetische Felder von Mobilfunk, WLAN, DECT und Bluetooth beschreibt man üblicherweise über die elektrische Feldstärke in Volt pro Meter oder über die Leistungsflussdichte in Mikrowatt pro Quadratmeter. Beide Größen hängen physikalisch zusammen, betonen aber Unterschiedliches. Die Feldstärke sagt, wie stark das elektrische Feld an einem Punkt ist; die Leistungsflussdichte, wie viel Strahlungsleistung pro Fläche ankommt.
Niederfrequente Felder – etwa das 50-Hertz-Feld der Hausverkabelung – gehören in eine andere Rechnung. Hier zählt die magnetische Flussdichte in Mikrotesla oder Nanotesla, ergänzt um das elektrische Feld in V/m. Ein Gerät, das nur HF kann, sieht dieses niederfrequente Feld schlicht nicht. Wer beides abdecken will, braucht entweder zwei Geräte oder ein Kombigerät.
| Feldtyp | Quellen | Messgröße |
| Hochfrequent (HF) | WLAN, Mobilfunk, DECT, Bluetooth, Zigbee | V/m bzw. µW/m² |
| Niederfrequent (NF) | Stromnetz 50 Hz, Leitungen, Trafos | µT / nT (magnetisch), V/m (elektrisch) |
Wie misst man Elektrosmog seriös?
Ein HF-Breitbandmessgerät erfasst einen ganzen Frequenzbereich auf einmal und zeigt die Summe aller Felder als einen Wert. Das reicht, um Hotspots im Wohnraum aufzuspüren – etwa die Ecke, in der Router und DECT-Basis nah beieinanderstehen. Frequenzselektive Geräte gehen weiter und trennen die Quellen auf, kosten aber deutlich mehr. Wichtig ist die Richtcharakteristik: Man tastet den Raum langsam ab, dreht die Antenne, sucht das Maximum. Eine gute Anleitung, wie man Funkstrahlung zu Hause misst, führt genau durch diese Schritte und erklärt, worauf man beim Gerätekauf achten sollte.
Ein Detail wird gern übersehen: Viele Messungen schwanken, weil die Sender selbst schwanken. WLAN sendet lastabhängig, ein Streaming-Film erzeugt andere Werte als eine Leerlaufphase. Deshalb misst man nicht einen Augenblick, sondern beobachtet den Peak-Wert über eine Weile. Erst dann ergibt die Zahl ein belastbares Bild.
Warum Handy-Apps und Billiggeräte täuschen
Smartphone-Apps sind zum Messen ungeeignet. Ein Handy besitzt keinen kalibrierten Feldsensor; die Apps lesen bestenfalls die eigene Empfangsstärke des Mobilfunkmodems aus und rechnen daraus etwas zusammen, das mit einer echten Feldmessung nichts zu tun hat. Für eine Einordnung der Messtechnik lohnt der Blick auf das Bundesamt für Strahlenschutz, das kostengünstige Geräte und Apps kritisch bewertet.
Auch günstige Handmessgeräte haben eine Tücke. Manche arbeiten mit Alarmschwellen nach baubiologischen Richtwerten, die weit unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. Das Display schlägt dann rot aus, obwohl die Feldstärke rechtlich völlig unauffällig ist. Wer die Anzeige nicht einordnen kann, erschrickt grundlos. Wie weit Werbeversprechen und messbare Physik auseinanderliegen können, zeigt auch die Debatte um EMF und Wellness-Harmonisierung.
Wie ordnet man die Werte ein?
In Deutschland regelt die 26. BImSchV den Bereich von 9 kHz bis 300 GHz. Die Verordnung ist seit 1997 in Kraft und wurde 2013 novelliert. Ihre Grenzwerte sind frequenzabhängig und reichen von rund 41 V/m bei 900 MHz bis 61 V/m oberhalb von 2 GHz, etwa im 5G-Band bei 3,6 GHz. Am Körper gilt zusätzlich ein SAR-Wert von 2 W/kg. Grundlage ist die ICNIRP-Leitlinie von 2020, die den Frequenzbereich von 100 kHz bis 300 GHz abdeckt.
Die Schweiz geht mit der NISV einen strengeren Weg. Neben den international abgestützten Immissionsgrenzwerten gilt ein vorsorglicher Anlagegrenzwert von rund 5 V/m an Orten mit empfindlicher Nutzung. Nach dem aktuellen Stand der WHO gibt es unterhalb dieser Grenzwerte keinen belegten Gesundheitsschaden, auch nicht für 5G. Wer die eigene Smart-Home-Umgebung misst, sollte die Zahlen gegen diese Referenzen halten, nicht gegen die Alarmschwelle im Billiggerät. Und die Zahl der Sender wächst: Automatisierung und Sprachsteuerung, wie sie der Ausbau von künstlicher Intelligenz vorantreibt, bringen laufend neue Funkmodule ins Haus.
Häufige Fragen
Welche Einheit brauche ich zum Elektrosmog messen?
Für hochfrequente Felder aus WLAN, Mobilfunk oder DECT nutzt man V/m oder µW/m². Für niederfrequente Felder aus dem Stromnetz misst man in Mikrotesla bzw. Nanotesla. Ein reines HF-Gerät erfasst das NF-Feld nicht.
Kann ich mit einer App Strahlung messen?
Nein. Handy-Apps besitzen keinen kalibrierten Feldsensor und liefern keine belastbare Messung. Sie werten höchstens die Empfangsstärke des Mobilfunkmodems aus, was mit der tatsächlichen Feldstärke im Raum nicht gleichzusetzen ist.
Welche Smart-Home-Geräte strahlen am stärksten?
Dauersender wie der WLAN-Router oder eine DECT-Basisstation erzeugen in der Regel höhere Werte als batteriesparende Zigbee- oder Thread-Sensoren, die nur kurz und schwach funken. Entscheidend sind Sendeleistung, Abstand und Sendehäufigkeit.
Wie viel kostet ein brauchbares Messgerät?
Einfache HF-Breitbandgeräte für den Hausgebrauch beginnen im mittleren dreistelligen Bereich. Frequenzselektive Profigeräte kosten ein Vielfaches. Sehr günstige Geräte messen oft ungenau oder alarmieren nach baubiologischen Richtwerten statt nach gesetzlichen Grenzwerten.
Sind die Werte in meiner Wohnung gefährlich?
Nach dem Stand der WHO gibt es unterhalb der geltenden Grenzwerte keinen belegten Gesundheitsschaden. Im Alltag liegen die Feldstärken in Wohnräumen meist deutlich unter den Werten der 26. BImSchV bzw. dem Schweizer Anlagegrenzwert von rund 5 V/m.

