Bonität in Zahlen: was die Kreditprüfung in der Schweiz wirklich misst

Schreibtisch mit Kontoauszügen, Taschenrechner und Notizen zur Kreditprüfung

2,96 Millionen Bonitätsanfragen liefen 2025 über das System der Zentralstelle für Kreditinformation, nach rund 2,6 Millionen im Jahr zuvor (Quelle: ZEK, Jahresbericht 2025). Hinter jeder Anfrage steckt ein Antrag auf einen Barkredit, ein Leasing oder eine Karte. Bevor ein Angebot einen Preis bekommt, läuft es durch diese Abfrage. Wer in der Schweiz günstig finanzieren möchte, versteht deshalb am besten zuerst, was dort gemessen wird. In Deutschland setzt die Auswahl eine Stufe früher an, beim Konto selbst: welche Punkte in einen Girokonto-Vergleich gehören, ist dort entlang von Kontoführung, Filialnetz, Online-Banking und Sicherheit sortiert. Für Leserinnen und Leser hierzulande ist das ein Blick über die Grenze und kein Angebot, denn diese Konten richten sich an deutsche Haushalte.

Was die Kreditfähigkeitsprüfung tatsächlich misst

In der Schweiz führt der Begriff Bonität leicht in die Irre. Stattdessen kennt das Konsumkreditgesetz die Kreditfähigkeit, und die ist eng definiert. Kreditfähig ist, wer den Kredit zurückzahlen kann, ohne den unpfändbaren Teil seines Einkommens anzutasten. Als Massstab dient Artikel 93 des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes.

Berechnet wird dieser Teil nach den Richtlinien des Wohnsitzkantons. Einfliessen müssen der tatsächlich geschuldete Mietzins, die Steuern nach Quellensteuertabelle und alle Verpflichtungen, die bei der Informationsstelle gemeldet sind. Je nach Kanton und Miete fällt das Urteil über zwei Haushalte mit identischem Lohn deshalb verschieden aus.

Ebenso aufschlussreich ist, was keine Rolle spielt. In diese Rechnung fliessen weder Vermögen jenseits des Einkommens noch ein akademischer Abschluss oder eine lange Kundenbeziehung ein. Geprüft wird eine Zahlungsfähigkeit auf Monatsbasis, nicht die Lebensleistung. Das erklärt, warum gut verdienende Haushalte mit hoher Miete und laufendem Leasing gelegentlich schlechter abschneiden als ein Mittelstandsbudget ohne Verpflichtungen.

Viele Antragsteller überrascht eine Regel: Die Prüfung unterstellt eine Rückzahlung innerhalb von 36 Monaten, selbst wenn der Vertrag über 60 oder 84 Monate läuft. Damit senkt eine lange Laufzeit zwar die tatsächliche Monatsrate, nicht aber die Hürde in der Prüfung. Ausserhalb des Gesetzes stehen Beträge unter 500 und über 80’000 Franken sowie grundpfandgesicherte Kredite; für die Hypothek gelten andere Regeln.

Warum mehr als jedes dritte Gesuch scheitert

Die Zahlen dazu sind öffentlich. 852’873 Finanzierungsgesuche registrierte das System 2025, abgelehnt wurden davon 315’699 (Quelle: ZEK, Jahresbericht 2025). Ein Jahr zuvor standen 303’103 Absagen 854’064 Gesuchen gegenüber. Gegenüber dem Vorjahr hat die Absagequote zugelegt, während die Zahl neu abgeschlossener Konsumkredite sinkt: 114’697 Verträge waren es 2025, gegenüber 116’716 im Vorjahr.

Absagen haben selten mit einem einzelnen negativen Eintrag zu tun. Häufiger sind es laufende Verpflichtungen, die zusammengerechnet werden. Bei 81,7 Prozent der erfassten Personen läuft genau ein Vertrag, bei 14,7 Prozent sind es zwei. Wer parallel ein Fahrzeugleasing und einen Kredit bedient, kommt schneller an die Grenze, als es der eigene Lohnausweis vermuten lässt. Auch die Beträge schrumpfen: Der durchschnittliche Konsumkredit lag bei den Neuabschlüssen 2025 bei 34’788 Franken, ein Jahr zuvor waren es 35’582 Franken. Dass sich der Zahlungsalltag zunehmend digital abspielt, ändert daran nichts: Auch wer bargeldlos über Twint und Karte zahlt, taucht mit jeder Kreditverpflichtung in derselben Datenbank auf.

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Rechenbeispiel: 20’000 Franken und die 36-Monats-Regel

An einem Rechenbeispiel mit offengelegten Annahmen wird die Mechanik greifbar. Angenommen werden 20’000 Franken Kreditsumme, der gesetzliche Höchstzinssatz von 10 Prozent für Barkredite und die vorgeschriebene Amortisation über 36 Monate. Daraus ergibt sich eine rechnerische Monatsrate von rund 645 Franken, über drei Jahre summieren sich die Zinsen auf gut 3200 Franken.

Genau diese 645 Franken müssen im Budget neben dem Existenzminimum Platz haben. Der Höchstsatz ist dabei eine Obergrenze und kein Marktpreis; er wird jährlich überprüft und liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 10 Prozent (Quelle: Verordnung des EJPD über den Höchstzinssatz für Konsumkredite, SR 221.214.111, 2026). Wer den Zinssatz drücken will, verhandelt also innerhalb dieser Grenze.

Vergleichbar werden Offerten erst über den effektiven Jahreszins, weil er die bei Vertragsabschluss verrechneten Kosten einschliesst. Ausweisen muss der Vertrag neben diesem Satz auch den Nettobetrag des Kredits und die Bedingungen, unter denen sich Zins und Kosten ändern dürfen. Wer zwei Angebote nebeneinanderlegt, vergleicht deshalb nie die Monatsrate allein: Eine tiefere Rate bei längerer Laufzeit kostet am Ende mehr, auch wenn sie im Monatsbudget bequemer aussieht.

Kreditfähigkeitsprüfung: vier SchritteSchritt 1: GesuchAngaben zu Einkommen, Miete und SteuernSchritt 2: AbfrageLaufende Verträge bei ZEK und IKOSchritt 3: ExistenzminimumRichtlinien des Wohnsitzkantons, Art. 93 SchKGSchritt 4: RateAmortisation über 36 Monate unterstelltdigitalbrainstorming.ch

Was den Preis eines Kredits senkt

Drei Stellschrauben wirken messbar, und keine davon hat mit Verhandlungsgeschick zu tun. Erstens der Bestand: Jede abgemeldete Verpflichtung verbessert die Rechnung im nächsten Gesuch. Zweitens die Vollständigkeit der Angaben. Kreditgeber dürfen sich auf die Angaben zu den finanziellen Verhältnissen verlassen, müssen bei Zweifeln aber nachprüfen und dazu amtliche Dokumente heranziehen.

Drittens der Zeitpunkt. Innert weniger Wochen gestellte Mehrfachgesuche hinterlassen mehrere Spuren, obwohl sich an der Ausgangslage nichts geändert hat. Unterlässt eine Kreditgeberin die Prüfung in schwerwiegender Weise, verliert sie nach dem Konsumkreditgesetz die Kreditsumme samt Zinsen und Kosten. Die Prüfung schützt also beide Seiten. Wie weit automatisierte Systeme solche Entscheide künftig treffen dürfen, ist eine eigene Debatte; die Anforderungen aus dem EU AI Act für Schweizer Unternehmen betreffen auch Anbieter, die Bonitätsscores berechnen.

Am Ablauf selbst ändert die digitale Abwicklung wenig. Ein Konsumkreditvertrag ist schriftlich abzuschliessen, und die Kundin oder der Kunde erhält eine Kopie davon. Anbieter, die den Antrag komplett über eine App führen, müssen diesen Schritt abbilden statt ihn wegzurationalisieren. Formalismus ist das nicht. An den Erhalt dieser Kopie knüpft das Gesetz Fristen, die später zählen. Wer die Unterlagen nur flüchtig ablegt, verliert genau die Belege, die im Streitfall den Ausschlag geben.

Häufige Fragen

Ist die ZEK dasselbe wie die Schufa in Deutschland?

Nein. Hinter der ZEK steht ein Verein von Kreditgebern, der Vertrags- und Zahlungsdaten austauscht. Die gesetzlich vorgeschriebene Informationsstelle für Konsumkredit heisst IKO und beruht auf dem Konsumkreditgesetz. Beide teilen sich eine Geschäftsstelle, sind aber nicht mit der deutschen Schufa gleichzusetzen.

Gilt das Konsumkreditgesetz auch für meine Hypothek?

Nein. Grundpfandgesicherte Kredite sind ausdrücklich ausgenommen, ebenso Beträge unter 500 und über 80’000 Franken. Für Hypotheken gelten stattdessen die Selbstregulierung der Bankiervereinigung und die Vorgaben zu Eigenmitteln und Amortisation.

Senkt eine längere Laufzeit meine Chancen auf eine Zusage?

Sie verbessert sie jedenfalls nicht. Die Prüfung rechnet unabhängig von der vereinbarten Laufzeit mit einer Amortisation über 36 Monate. Eine Streckung auf 72 Monate reduziert die tatsächliche Rate, spielt in der Prüfung aber keine Rolle.

Was kann ich vor einem Gesuch selbst prüfen?

Einen Auszug aus dem Betreibungsregister und eine Selbstauskunft bei der ZEK. Beides zeigt, welche Verpflichtungen und welche Zahlungsstörungen registriert sind. Wer Fehler findet, lässt sie korrigieren, bevor ein Gesuch läuft.

Der erste Schritt gehört den eigenen Daten

Am Anfang einer günstigen Finanzierung steht nicht der Zinsvergleich, sondern die eigene Aktenlage. Konkret heisst das: Selbstauskunft und Betreibungsregisterauszug bestellen, alle laufenden Leasing- und Kreditverträge auflisten, saldierte Verträge auf korrekte Abmeldung kontrollieren. Erst danach Offerten einholen, und zwar gebündelt innerhalb weniger Tage statt verteilt über Monate. Wer mit sauberen Zahlen antritt, verhandelt über den Zinssatz, statt sich mit einer Absage auseinanderzusetzen.

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